Sitzung / Thema: 07.06.2001 Personalartikel Hitler
Copyright ©: by Johanna Schmelzer, zuletzt geändert am 23. September 2001

Hitler-Artikel in Meyers Lexikon

Untersuchungsgegenstand

Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf dem Artikel über Adolf Hitler in

  • Meyers Lexikon in neun Bänden [unvollständig]. Band fünf. Achte Auflage, Leipzig: Bibliographisches Institut AG 1938.

Zu Zwecken des Vergleichs sollen am Rande auch die Hitler-Artikel in
  • Meyers Lexikon in zwölf Bänden. Band fünf. Siebte Auflage, Leipzig: Bibliographisches Institut 1926.
  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Band zwölf. Neunte Auflage, Mannheim/Wien/Zürich: Bibliographisches Institut AG 1974.
betrachtet werden.

Ergebnisse der Analyse

Die achte Auflage

Der Hitler-Artikel im sogenannten "braunen Meyer" ist ein propagandistisches Meisterwerk. Verantwortlich für seine Abfassung war die Parteiamtliche Prüfungskommission, deren Leiter Philipp Bouhler der mutmaßliche Verfasser des Artikels ist.

Propagandistische Ziele des Artikels sind u. a.:

  • Aufbau eines Führermythos'
  • Propaganda für die NSDAP
  • Identifikation des Lesers mit Partei und Führer
  • Überhöhung von Hitlers "Mein Kampf", das den Status eines allgemeinverbindlichen Nachschlagewerks und Kultbuches erhält
  • Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie durch Ausnutzung einer renommierten Lexikonmarke, gezielte Beeinflussung des nach sachlicher Information suchenden Lexikonbenutzers.

Die beabsichtigten propagandistischen Wirkungen werden durch eine gezielte Auswahl von Abbildungen noch verstärkt.

Vergleich der Artikel in der siebten, achten und neunten Auflage

Die Artikel spiegeln drei verschiedene Sichtweisen auf die Person Adolf Hitlers wieder, die typisch sind für die Zeit, in der die Artikel verfasst wurden:

  • Siebte Auflage (1926): neutrale Sichtweise (Hitler war ein Politiker unter vielen)
  • Achte Auflage (1938): übersteigert positive Sichtweise (Hitler war "Führer und Reichskanzler", der erste Mann im Staat; zudem hatte der Verfasser propagandistische Absichten).
  • Neunte Auflage (1974): negative Sichtweise (nach dem verlorenen Krieg und allen mit dem Regime verbundenen Schrecken war Hitler die Verkörperung des Bösen)