Sitzung / Thema: 10.05.2001 Brockhaus
Copyright ©: by Katrin Pollems-Braunfels, zuletzt geändert am 22.08.2001

Die Brockhaus-Enzyklopädie

Enzyklopädie und Konversationslexikon

Definition Enzyklopädie

Kunstwort aus dem Griechischen. Bezeichnet umfassende Nachschlagewerke, die den Gesamtbestand des Wissens (oder eines Einzelgebietes) der Zeit sammeln, einer Wissenschaftssystematik unterwerfen und darstellen. Dies kann systematisch oder alphabetisch geschehen. Vorläufer lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen.

Die "Encyclopédie" der französischen Gelehrten Diderot und dŽAlembert versucht programmatisch des gesamte menschliche Wissen enzyklopädisch mit einem Wörterbuch der damals bekannten Wissenschaften und Künste zu verknüpfen. Wie sich aus den Angaben der beiden Herausgeber zu ihren Mitgliedschaften in Akademien der Wissenschaften ergibt, steht hier der Begriff des übernationalen Universalgelehrten im Vordergrund.

Kritik: Umfassender Anspruch stößt an die Grenzen des Machbaren.

Berühmtes Beispiel der Grenzerfahrung: Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge von J.S.Ersch und J.G.Gruber, erschienen ab 1818, 1831 vom Brockhaus-Verlag übernommen und 1889 mit dem 168.Band eingestellt.

In den Nachschlagewerken und Lexika des 19.Jahrhunderts wird der nationale Aspekt immer wieder herausgehoben.

Definition Conversationslexikon

Conversation: Im 18.Jh.in Paris zur Hochblüte gereifte Form der geselligen Unterhaltung. Greift Ende des 18.Jh.s auf die gebildeten Stände in Deutschland über und läßt das Bedürfnis nach einem handlichen Nachschlagewerk entstehen, das in kurzen alphabetischen Stichworten alle auftauchenden Fragen, die sich bei der Zeitungslektüre oder beim Gespräch ergaben, schnell beantworten konnte.

Kritik: Popularisierung barg Gefahr der Oberflächlichkeit und bot Angriffsfläche für Spott der sich für wahrhaft gelehrt Haltenden. So Goethe in den "Zahmen Xenien" [Fuhrmann S.109].

Gesellschaftliche Funktion: Die Konversationslexika konnten vor allem im Vormärz, als die napoleonischen Kriege die alte Standesschichtung und sozialen Systeme durcheinandergewirbelt hatten, die Funktion einer sekundären Bildungsinstitution wahrnehmen [Wittmann S.251] Um die Vielzahl neuer sozialer Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen zu nutzen, war berufspraktisches Wissen notwendig, das man sich nicht durch humanistische Bildung und Universalgelehrsamkeit erwerben konnte, sondern durch gezielte Informationen in der neuen Gattung von Nachschlagewerken, den Konversations-Lexika.[Wittmann S.229] Die Zielgruppenorientierung ergab zwangsläufig eine stärkere nationale Ausrichtung der Konversationslexika, als es der universale Anspruch der Enzyklopädien zugelassen hätte. Da sich gleichzeitig aber auch die Ansprüche der Zielgruppen an die Nachschlagewerke und das zur Verfügung gestellte Wissen steigerten, erweiterte sich der für relevant gehaltene Inhalt der Lexika immer mehr, so daß sie an den umspannenden Anspruch der Enzyklopädien herankamen. Zwangsläufig zeigt sich diese Entwicklung auch in den Änderungen des Titels im Verlauf der Geschichte des "Brockhaus".