Enzyklopädie und Konversationslexikon
Definition Enzyklopädie
Kunstwort aus dem Griechischen. Bezeichnet umfassende Nachschlagewerke,
die den Gesamtbestand des Wissens (oder eines Einzelgebietes) der Zeit
sammeln, einer Wissenschaftssystematik unterwerfen und darstellen. Dies
kann systematisch oder alphabetisch geschehen. Vorläufer lassen sich
bis in die Antike zurückverfolgen.
Die "Encyclopédie" der französischen Gelehrten Diderot
und dŽAlembert versucht programmatisch
des gesamte menschliche Wissen enzyklopädisch mit einem Wörterbuch
der damals bekannten Wissenschaften und Künste zu verknüpfen.
Wie sich aus den Angaben der beiden Herausgeber zu ihren Mitgliedschaften
in Akademien der Wissenschaften ergibt, steht hier der Begriff des übernationalen
Universalgelehrten im Vordergrund.
Kritik: Umfassender Anspruch stößt an die Grenzen des Machbaren.
Berühmtes Beispiel der Grenzerfahrung:
Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste in
alphabetischer Folge von J.S.Ersch und J.G.Gruber, erschienen
ab 1818, 1831 vom Brockhaus-Verlag übernommen und 1889 mit dem 168.Band
eingestellt.
In den Nachschlagewerken und Lexika des 19.Jahrhunderts wird der nationale
Aspekt immer wieder herausgehoben.
Definition Conversationslexikon
Conversation: Im 18.Jh.in Paris zur Hochblüte gereifte Form der
geselligen Unterhaltung. Greift Ende des 18.Jh.s auf die gebildeten
Stände in Deutschland über und läßt das Bedürfnis
nach einem handlichen Nachschlagewerk entstehen, das in kurzen alphabetischen
Stichworten alle auftauchenden Fragen, die sich bei der Zeitungslektüre
oder beim Gespräch ergaben, schnell beantworten konnte.
Kritik: Popularisierung barg Gefahr der Oberflächlichkeit und bot
Angriffsfläche für Spott der sich für wahrhaft gelehrt
Haltenden. So Goethe in den "Zahmen Xenien" [Fuhrmann
S.109].
Gesellschaftliche Funktion: Die Konversationslexika konnten vor
allem im Vormärz, als die napoleonischen Kriege die alte Standesschichtung
und sozialen Systeme durcheinandergewirbelt hatten, die Funktion einer
sekundären Bildungsinstitution wahrnehmen [Wittmann
S.251] Um die Vielzahl neuer sozialer Aufstiegsmöglichkeiten und
Karrierechancen zu nutzen, war berufspraktisches Wissen notwendig, das
man sich nicht durch humanistische Bildung und Universalgelehrsamkeit
erwerben konnte, sondern durch gezielte Informationen in der neuen Gattung
von Nachschlagewerken, den Konversations-Lexika.[Wittmann S.229] Die Zielgruppenorientierung
ergab zwangsläufig eine stärkere nationale Ausrichtung der Konversationslexika,
als es der universale Anspruch der Enzyklopädien zugelassen hätte.
Da sich gleichzeitig aber auch die Ansprüche der Zielgruppen an die
Nachschlagewerke und das zur Verfügung gestellte Wissen steigerten,
erweiterte sich der für relevant gehaltene Inhalt der Lexika immer
mehr, so daß sie an den umspannenden Anspruch der Enzyklopädien
herankamen. Zwangsläufig zeigt sich diese Entwicklung auch in den
Änderungen des Titels im Verlauf der Geschichte des "Brockhaus".
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