Sitzung / Thema: 10.05.2001 Brockhaus
Copyright ©: by Katrin Pollems-Braunfels, zuletzt geändert am 22.08.2001

Die Brockhaus-Enzyklopädie -
Historische Entwicklung

Inhaltsübersicht der Seite

  •   1. Auflage 1796-1808 "Conversationslexicon" 6 Bde. + 2 Suppl.Bde.
  •   2. Auflage 1812-1819 "Conversations-Lexikon" 10 Bde.
  •   3. Auflage 1814-1819 "Conversations-Lexicon" 10 Bde.
  •   4. Auflage 1817-1819 "Hand-Enzyclopädie" 10 Bde.
  •   5. Auflage 1819-1820 "Real-Encyclopädie" 10 Bde.
  •   6. Auflage 1824 "Real-Encyclopädie" 10 Bde.
  •   7. Auflage 1827 "Real-Encyklopädie" 12 Bde.
  •   8. Auflage 1833-1837 "Real-Encyklopädie" 12 Bde.
  •   9. Auflage 1843-1848 "Real-Encyklopädie" 15 Bde.
  • 10. Auflage 1851-1855 "Real-Encyklopädie" 15 Bde.
  • 11. Auflage 1864-1868 "Real-Encyklopädie" 15 Bde.
  • 12. Auflage 1875-1879 "Conversations-Lexikon" 15 Bde.
  • 13. Auflage 1882-1887 "Conversations-Lexikon" 16 Bde.
  • 14. Auflage 1892-1895 "Konversations-Lexikon" 16 Bde.
  • 15. Auflage 1928-1935 "Der Große Brockhaus" 20 Bde.
  • 16. Auflage 1952-1957 "Der Große Brockhaus" 12 Bde.
  • 17. Auflage 1966-1974 "Brockhaus Enzyklopädie" 20 Bde.
  • 18. Auflage 1977-1981 "Der Große Brockhaus" 12 Bde.
  • 19. Auflage 1986-1994 "Brockhaus Enzyklopädie" 24 Bde.

Die Anfänge

Friedrich Arnold Brockhaus (1772 bis 1823) hatte seine Firma 1805 in Amsterdam gegründet und kaufte 1808 auf der Leipziger Buchmesse für 1800 Taler Lager und Rechte eines angefangenen Nachschlagewerks.

Das 1796 von dem Leipziger Privatgelehrten Dr.Renatus Gotthelf Löbel (gest.1799) zusammen mit dem Advokaten Christian Wilhelm Franke begonnene "Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten" und zugleich "Frauenzimmer-Lexikon zur Erleichterung der Conversation und Lektüre" war nach verschiedenen Verlagsstationen 1808 erst beim 5. Band angekommen, der 6. abschließende Band war halbfertig, zwei Supplementbände geplant.

Bis 1811 wurde das Gesamtwerk, die "1. Auflage" durch Friedrich Arnold Brockhaus vollendet, der als sein eigener Autor die meisten Artikel selbst schrieb und redigierte. Sein literarischer Plauderton war entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Schon mit der 2. Auflage beginnt sich der Anspruch zu erweitern, was sich in einem besonders komplizierten und ausführlichen Titel niederschlägt. Dieser umständliche Titel und die Überschneidungen im Erscheinen der letzten Bände der 3. und 4. Auflage führten zur abermaligen Titeländerung.


Darin wird auch eine Konzeptänderung, weg vom Conversationslexikon hin zum enzyklopädischen Anspruch, deutlich. Die Überschneidungen im Erscheinen der letzten Bände der 3. und 4. Auflage führten zu der Kuriosität, daß man es in einer Vorbemerkung dem Kunden überließ, dem Buchbinder anzugeben, welchen Titel man wünschte.

"Der Prototyp der modernen Enzyklopädie"

Mit der 5. Auflage 1819/1820 war die endgültige Form, der "Prototyp der modernen Enzyklopädie" [Hübscher S.76] gefunden. Die Auflage stieg auf 32.000 Stück.

Die Redaktion wurde professionalisiert und Fachgelehrten übergeben, eine wissenschaftliche Systematik eingeführt.

Der Spaltensatz hatte eine bessere Lesbarkeit zur Folge.

Illustrationen wurden eingeführt.

Zur Diversifikation und Content-Mehrfachverwertung nutzte der Verlag Nebenprodukte:

  • 1837 bis 1841 erschien das vierbändige "Bilder-Conversationslexikon für das deutsche Volk"
  • 1841 bis 1844 erschien in 120 Lieferungen der "Bilderatlas zum Conversations-Lexikon"

Auflagenfolge und Markenbildung

Die Auflagen folgten im schnellen Wechsel: 15 Auflagen im 19.Jahrhundert, 5 Auflagen im 20.Jahrhundert. Der Verlagsname wird allmählich zum Synonym für die neue Form von Großlexikon. Die Markenbildung führte dazu, daß man 1921 auf ein Preisausschreiben zur Titelfindung für die 15. Auflage von den meisten Einsendern den Verlagsnamen "Brockhaus" genannt erhält. [Zum Hingst S.160] Bis 1984 war der Verlag in Familienhand, 1984 fusionierten F.A.Brockhaus und das Bibliographische Institut. 1988 übernahm die Langenscheidt KG die Mehrheit der Aktien.

Der Brockhaus im 3.Reich

Die 15. Auflage des Großen Brockhaus in 20 Bänden erschien von 1928 bis 1935. Trotz der Bemühungen um Sachlichkeit, nicht zuletzt um der Außenwirksamkeit und Verkäuflichkeit des Lexikons willen, hat der Brockhaus-Verlag mit der "Parteiamtlichen Prüfungskommisssion zum Schutze des NS-Schrifttums" zusammenzuarbeiten und gerät unter deren zunehmenden Einfluß [Müller S.124 f.] Von der geplanten, völlig überarbeiteten Ausgabe der 15. Auflage, die ein Spiegel des herrschenden Sprachgebrauchs und des Einflusses der Reichsschrifttumskammer geworden wäre, ist 1939 nur der 1. Band erschienen.[Zum Hingst S.98] 1943 wird der Verlag geschlossen. Im Dezember 1943 wird das Verlagsgebäude in Leipzig durch Bomben zerstört, das gesamte Archiv und alle Unterlagen verbrennen. Brockhaus flieht nach Wiesbaden und führt von dort aus seinen Verlagsteil weiter. In Leipzig nimmt der VEB Brockhaus den Betrieb 1945 wieder auf. [Müller S.126]

Zur Jahrtausendwende erschien schon 1998 die 20. Auflage, die der Mehrdimensionalität und Vielschichtigkeit jeder mehrbändigen Lexikonausgabe noch eine weitere Dimension, eine Meta-Ebene hinzufügte. Der Künstler André Heller hatte ein Einbandsystem entworfen, das in kleinen "Vitrinen" Splitter von Gegenständen zeigt, die im Zusammenhang mit der Geschichte des 20.Jahrhunderts stehen. Das Buch, das sich über die Jahrhunderte hinweg vor allem als menschliche Abstraktionsleistung darstellt – von der Wirklichkeit wird abstrahiert, sie wird sprachlich erfaßt und in einem Objekt, dem Buch, in ein ausdifferenziertes Zeichensystem übersetzt – wird hier mit Teilchen der realen Welt belegt. Das Verfahren oszilliert zwischen der magischen Verwendung von Heiligenreliquien im Mittelalter und hilflosem Kapitulieren vor der Abstraktionsleistung durch die Sammelleidenschaft der säkularisierten Moderne.