Inhaltsübersicht der Seite
- 1. Auflage 1796-1808 "Conversationslexicon"
6 Bde. + 2 Suppl.Bde.
- 2. Auflage 1812-1819 "Conversations-Lexikon"
10 Bde.
- 3. Auflage 1814-1819 "Conversations-Lexicon"
10 Bde.
- 4. Auflage 1817-1819 "Hand-Enzyclopädie"
10 Bde.
- 5. Auflage 1819-1820 "Real-Encyclopädie"
10 Bde.
- 6. Auflage 1824 "Real-Encyclopädie" 10
Bde.
- 7. Auflage 1827 "Real-Encyklopädie" 12
Bde.
- 8. Auflage 1833-1837 "Real-Encyklopädie"
12 Bde.
- 9. Auflage 1843-1848 "Real-Encyklopädie"
15 Bde.
- 10. Auflage 1851-1855 "Real-Encyklopädie" 15 Bde.
- 11. Auflage 1864-1868 "Real-Encyklopädie" 15 Bde.
- 12. Auflage 1875-1879 "Conversations-Lexikon" 15 Bde.
- 13. Auflage 1882-1887 "Conversations-Lexikon" 16 Bde.
- 14. Auflage 1892-1895 "Konversations-Lexikon" 16 Bde.
- 15. Auflage 1928-1935 "Der Große Brockhaus" 20 Bde.
- 16. Auflage 1952-1957 "Der Große Brockhaus" 12 Bde.
- 17. Auflage 1966-1974 "Brockhaus Enzyklopädie" 20 Bde.
- 18. Auflage 1977-1981 "Der Große Brockhaus" 12 Bde.
- 19. Auflage 1986-1994 "Brockhaus Enzyklopädie" 24 Bde.
Die Anfänge
Friedrich Arnold Brockhaus (1772 bis 1823) hatte seine Firma 1805
in Amsterdam gegründet und kaufte 1808 auf der Leipziger Buchmesse
für 1800 Taler Lager und Rechte eines angefangenen Nachschlagewerks.
Das 1796 von dem Leipziger Privatgelehrten Dr.Renatus Gotthelf Löbel
(gest.1799) zusammen mit dem Advokaten Christian Wilhelm Franke begonnene
"Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf
die gegenwärtigen Zeiten" und zugleich "Frauenzimmer-Lexikon
zur Erleichterung der Conversation und Lektüre" war nach
verschiedenen Verlagsstationen 1808 erst beim 5. Band angekommen, der
6. abschließende Band war halbfertig, zwei Supplementbände
geplant.
Bis 1811 wurde das Gesamtwerk, die "1. Auflage" durch
Friedrich Arnold Brockhaus vollendet, der als sein eigener Autor die meisten
Artikel selbst schrieb und redigierte. Sein literarischer Plauderton war
entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Schon mit der 2.
Auflage beginnt sich der Anspruch zu erweitern, was sich in einem
besonders komplizierten und ausführlichen Titel niederschlägt.
Dieser umständliche Titel und die Überschneidungen im Erscheinen
der letzten Bände der 3. und 4. Auflage führten zur abermaligen
Titeländerung.
Darin wird auch eine Konzeptänderung, weg vom Conversationslexikon
hin zum enzyklopädischen Anspruch, deutlich. Die Überschneidungen
im Erscheinen der letzten Bände der 3. und 4. Auflage führten
zu der Kuriosität, daß man es in einer Vorbemerkung dem Kunden
überließ, dem Buchbinder anzugeben, welchen Titel man wünschte.
"Der Prototyp der modernen Enzyklopädie"
Mit der 5. Auflage 1819/1820 war die endgültige Form, der "Prototyp
der modernen Enzyklopädie" [Hübscher
S.76] gefunden. Die Auflage stieg auf 32.000 Stück.
Die Redaktion wurde professionalisiert und Fachgelehrten übergeben,
eine wissenschaftliche Systematik eingeführt.
Der Spaltensatz hatte eine bessere Lesbarkeit zur Folge.
Illustrationen wurden eingeführt.
Zur Diversifikation
und Content-Mehrfachverwertung
nutzte der Verlag Nebenprodukte:
- 1837 bis 1841 erschien das vierbändige "Bilder-Conversationslexikon
für das deutsche Volk"
- 1841 bis 1844 erschien in 120 Lieferungen der "Bilderatlas
zum Conversations-Lexikon"
Auflagenfolge und Markenbildung
Die Auflagen folgten im schnellen Wechsel: 15 Auflagen im 19.Jahrhundert,
5 Auflagen im 20.Jahrhundert. Der Verlagsname wird allmählich
zum Synonym für die neue Form von Großlexikon. Die Markenbildung
führte dazu, daß man 1921 auf ein Preisausschreiben zur Titelfindung
für die 15. Auflage von den meisten Einsendern den Verlagsnamen
"Brockhaus" genannt erhält. [Zum
Hingst S.160] Bis 1984 war der Verlag in Familienhand, 1984 fusionierten
F.A.Brockhaus und das Bibliographische Institut. 1988 übernahm die
Langenscheidt KG die Mehrheit der Aktien.
Der Brockhaus im 3.Reich
Die 15. Auflage des Großen Brockhaus in 20 Bänden erschien von
1928 bis 1935. Trotz der Bemühungen um Sachlichkeit, nicht zuletzt
um der Außenwirksamkeit und Verkäuflichkeit des Lexikons willen,
hat der Brockhaus-Verlag mit der "Parteiamtlichen Prüfungskommisssion
zum Schutze des NS-Schrifttums" zusammenzuarbeiten und gerät unter
deren zunehmenden Einfluß [Müller
S.124 f.] Von der geplanten, völlig überarbeiteten Ausgabe der
15. Auflage, die ein Spiegel des herrschenden Sprachgebrauchs und des Einflusses
der Reichsschrifttumskammer geworden wäre, ist 1939 nur der 1. Band
erschienen.[Zum Hingst S.98]
1943 wird der Verlag geschlossen. Im Dezember 1943 wird das Verlagsgebäude
in Leipzig durch Bomben zerstört, das gesamte Archiv und alle Unterlagen
verbrennen. Brockhaus flieht nach Wiesbaden und führt von dort aus
seinen Verlagsteil weiter. In Leipzig nimmt der VEB Brockhaus den Betrieb
1945 wieder auf. [Müller
S.126]
Zur Jahrtausendwende erschien schon 1998 die 20. Auflage, die der
Mehrdimensionalität und Vielschichtigkeit jeder mehrbändigen Lexikonausgabe
noch eine weitere Dimension, eine Meta-Ebene hinzufügte. Der Künstler
André Heller hatte ein Einbandsystem entworfen, das in kleinen
"Vitrinen" Splitter von Gegenständen zeigt, die im
Zusammenhang mit der Geschichte des 20.Jahrhunderts stehen. Das Buch, das
sich über die Jahrhunderte hinweg vor allem als menschliche Abstraktionsleistung
darstellt von der Wirklichkeit wird abstrahiert, sie wird sprachlich
erfaßt und in einem Objekt, dem Buch, in ein ausdifferenziertes Zeichensystem
übersetzt wird hier mit Teilchen der realen Welt belegt. Das
Verfahren oszilliert zwischen der magischen Verwendung von Heiligenreliquien
im Mittelalter und hilflosem Kapitulieren vor der Abstraktionsleistung durch
die Sammelleidenschaft der säkularisierten Moderne. |