Sitzung / Thema: 10.05.2001 Brockhaus
Copyright ©: by Daniela Weber, zuletzt geändert am 22.08.2001

Verlag Brockhaus
Verlagsprogramm neben Lexika

Überblick:

Auswahl der Verlagsprogramme Amsterdam, Altenburg, Leipzig;
Konzentration und Spezialisierung

Verlagssitz: Amsterdam

(1806-1810)

  • "De Ster", Rezensionen und Erörterungen der politischen Lage Europas (März-August 1806).
  • "Die Individualitäten aus und über Paris von Carl Friedrich Cramer und seinen Freunden", Berichte in Briefform über literarische und politische Verhältnisse in F, NL, D (1806-1807, insg. nur 4 Hefte).
  • "Le Conservateur. Journal de Littérature de Science et de Beaux arts." Monatsschrift unter Mitarbeit von bekannten Schriftstellern und Gelehrten (Anfang 1807 - Mitte 1808).
Das Amsterdamer Programm des Brockhaus Verlags reicht von journalistischen Projekten, Reisebeschreibungen über literarische bis hin zu naturwissenschaftlichen Texten.

Verlagssitz: Altenburg

(1810-1817)

  • "Urania", anfangs als "Taschenbuch für Damen" konzipiert, entwickelte sich zu literarischem Forum, Beiträge u.a. von Jean Paul, Tieck, Varnhagen von Ense, Eichendorff, Johanna Schopenhauer (1810-1841).
  • "Handbuch der Deutschen Literatur seit Mitte des 18. Jahrhunderts", hg. von Johann Samuel Ersch [1], (1812-1814).
  • "Taschenbuch für Wundärzte und Jagdfreunde", (1812-1817).
  • "Deutsche Blätter", Zeitschrift für zeitgeschichtliches Engagement; während der Befreiungskriege offizielles Organ der Alliierten [2], (1813-1816), fortgeführt in der Zeitschrift "Isis".

Verlagssitz: Leipzig

(1817-1945)

  • "Isis" naturwissenschaftliche Zeitschrift mit enzyklopädischem Charakter, auch zur Verbreitung liberaler Ideen genutzt (1816-1848).
  • "Hermes" oder "Kritisches Jahrbuch der Literatur", Ankündigungen und Rezensionen von Neuerscheinungen nach Vorbild von "The Edinburgh Review", auch Sprachrohr der liberalen Opposition, u.a. Kampf um Pressefreiheit (1819-1831).
  • "Literarisches Wochenblatt", (1820-1898).
  • Umfassendes Buchprogramm [3] zu populärwissenschaftlichen Werken aus den Gebieten Geschichte, Politik, Literatur und Philosophie; Lehrwerke zu Magnetismus und Mesmerismus; "Die Welt als Wille und Vorstellung", Hauptwerk des noch unbekannten Arthur Schopenhauer; Klassikerausgaben [4], u.a. Übersetzungen von Klassikern aus GB, F, E, I (Edgeworth, Scott, Dante ...); Biographien;
  • Kartographische Werke, z.B. "Bilder-Atlas für das Conversations-Lexikon", (1844-49).
  • "Leipziger Zeitung" (ab 1837)

Beim Tod F.A. Brockhaus (Aug. 1923) blickt die Firma auf rund 400, teils mehrbändige, Werke, zurück, die in 18jähriger Verlegertätigkeit entstanden sind.

Konzentration und Spezialisierung

Zu großen Veränderungen kommt es ab 1855:
Mit der Vollendung des ersten Meyer in 46 Bänden (1840-1853) setzt die Konsolidierung des Lexika-Markts ein.

Aufgrund des Konkurrenzdrucks in der Branche konzentriert und spezialisiert sich Brockhaus auf enzyklopädische Literatur als Schwerpunkt des Verlagsprogrammes.
Die Vielseitigkeit des Programms wird als Gefahr erkannt, so daß die Gesamtzahl der Veröffentlichungen, insbesondere der belletristischen Werke, erheblich schrumpft.[5]


[1] Johann Samuel Ersch: Professor und Bibliothekar aus Halle, begründete mit diesem Werk die deutsche Bibliographie. [Zum Hingst, S. 87]

[2] Befreiungskriege: 1813-1815 Kriege der europäischen Allianz zur Beseitigung der Hegemonie und Fremdherrschaft Napoleons I in Europa. [Meyer, S. 104]

[3] Berühmte Autoren des Verlags F. A. Brockhaus: u.a. Arthur Schopenhauer, Karl Gutzkow, Ferdinand Gregorovius, David F. Strauß, Ferdinand Lassalle, Heinrich Schliemann, Paul Deussen, Theodore Roosevelt, Fridjof Nansen, Sven Hedin, Robert F. Scott. [Näheres zu Briefwechsel und Zusammenarbeit mit den Autoren siehe Brockhaus (Hg.), S. 104]. [Zum Verlagsprogramm von 1906-1960 Brockhaus (Hg.)]

[4] Klassikerausgaben: F. A. Brockhaus wollte seinen Verlag zum Treffpunkt für europäische und deutsche ("Bibliothek der deutschen Nationalliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts") Literatur machen, war jedoch im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Joseph Meyer (diverse Klassikerbibliotheken, von 1826-1945 [Näheres siehe Sarkowski Sarkowski, S.199ff.]) damit nicht sehr erfolgreich.

[5] Gesamtzahl der Veröffentlichungen des F.A. Brockhaus Verlags 1850-1874: 956 Titel; 1874-1895: 415 Titel [Jäger b, S. 561].