|
Überblick:
Auswahl der Verlagsprogramme Amsterdam, Altenburg,
Leipzig;
Konzentration und Spezialisierung
Verlagssitz: Amsterdam
(1806-1810)
- "De Ster", Rezensionen und Erörterungen
der politischen Lage Europas (März-August 1806).
- "Die Individualitäten aus und über Paris von
Carl Friedrich Cramer und seinen Freunden", Berichte in
Briefform über literarische und politische Verhältnisse in
F, NL, D (1806-1807, insg. nur 4 Hefte).
- "Le Conservateur. Journal de Littérature de Science
et de Beaux arts." Monatsschrift unter Mitarbeit von bekannten
Schriftstellern und Gelehrten (Anfang 1807 - Mitte 1808).
Das Amsterdamer Programm des Brockhaus Verlags reicht von journalistischen
Projekten, Reisebeschreibungen über literarische bis hin zu naturwissenschaftlichen
Texten.
Verlagssitz: Altenburg
(1810-1817)
- "Urania", anfangs als "Taschenbuch
für Damen" konzipiert, entwickelte sich zu literarischem
Forum, Beiträge u.a. von Jean Paul, Tieck, Varnhagen von Ense,
Eichendorff, Johanna Schopenhauer (1810-1841).
- "Handbuch der Deutschen Literatur seit Mitte des 18. Jahrhunderts",
hg. von Johann Samuel Ersch [1], (1812-1814).
- "Taschenbuch für Wundärzte und Jagdfreunde",
(1812-1817).
- "Deutsche Blätter", Zeitschrift für
zeitgeschichtliches Engagement; während der Befreiungskriege offizielles
Organ der Alliierten [2], (1813-1816), fortgeführt
in der Zeitschrift "Isis".
Verlagssitz: Leipzig
(1817-1945)
- "Isis" naturwissenschaftliche Zeitschrift mit
enzyklopädischem Charakter, auch zur Verbreitung liberaler Ideen
genutzt (1816-1848).
- "Hermes" oder "Kritisches Jahrbuch
der Literatur", Ankündigungen und Rezensionen von Neuerscheinungen
nach Vorbild von "The Edinburgh Review", auch
Sprachrohr der liberalen Opposition, u.a. Kampf um Pressefreiheit (1819-1831).
- "Literarisches Wochenblatt", (1820-1898).
- Umfassendes Buchprogramm [3] zu populärwissenschaftlichen
Werken aus den Gebieten Geschichte, Politik, Literatur und Philosophie;
Lehrwerke zu Magnetismus und Mesmerismus; "Die Welt als Wille
und Vorstellung", Hauptwerk des noch unbekannten Arthur
Schopenhauer; Klassikerausgaben [4],
u.a. Übersetzungen von Klassikern aus GB, F, E, I (Edgeworth, Scott,
Dante ...); Biographien;
- Kartographische Werke, z.B. "Bilder-Atlas für das
Conversations-Lexikon", (1844-49).
- "Leipziger Zeitung" (ab 1837)
Beim Tod F.A. Brockhaus (Aug. 1923) blickt die Firma auf rund 400, teils
mehrbändige, Werke, zurück, die in 18jähriger Verlegertätigkeit
entstanden sind.
Konzentration und Spezialisierung
Zu großen Veränderungen kommt es ab 1855:
Mit der Vollendung des ersten Meyer in 46 Bänden (1840-1853)
setzt die Konsolidierung des Lexika-Markts ein.
Aufgrund des Konkurrenzdrucks in der Branche konzentriert und
spezialisiert sich Brockhaus auf enzyklopädische Literatur als
Schwerpunkt des Verlagsprogrammes.
Die Vielseitigkeit des Programms wird als Gefahr erkannt, so daß
die Gesamtzahl der Veröffentlichungen, insbesondere der belletristischen
Werke, erheblich schrumpft.[5]
[1] Johann Samuel Ersch: Professor
und Bibliothekar aus Halle, begründete mit diesem Werk die deutsche
Bibliographie. [Zum Hingst,
S. 87]
[2] Befreiungskriege: 1813-1815 Kriege
der europäischen Allianz zur Beseitigung der Hegemonie und Fremdherrschaft
Napoleons I in Europa. [Meyer,
S. 104]
[3] Berühmte Autoren des Verlags
F. A. Brockhaus: u.a. Arthur Schopenhauer, Karl Gutzkow, Ferdinand Gregorovius,
David F. Strauß, Ferdinand Lassalle, Heinrich Schliemann, Paul Deussen,
Theodore Roosevelt, Fridjof Nansen, Sven Hedin, Robert F. Scott. [Näheres
zu Briefwechsel und Zusammenarbeit mit den Autoren siehe Brockhaus
(Hg.), S. 104]. [Zum Verlagsprogramm von 1906-1960 Brockhaus
(Hg.)]
[4] Klassikerausgaben: F. A. Brockhaus
wollte seinen Verlag zum Treffpunkt für europäische und deutsche
("Bibliothek der deutschen Nationalliteratur des 18. und 19.
Jahrhunderts") Literatur machen, war jedoch im Gegensatz zu
seinem Konkurrenten Joseph Meyer (diverse Klassikerbibliotheken, von 1826-1945
[Näheres siehe Sarkowski Sarkowski,
S.199ff.]) damit nicht sehr erfolgreich.
[5] Gesamtzahl der Veröffentlichungen
des F.A. Brockhaus Verlags 1850-1874: 956 Titel; 1874-1895: 415 Titel
[Jäger b, S. 561].
|