![]() |
Grundlagen - Übersicht
GrundlagenZielsetzung Das Ziel der Neulateinischen Wortliste (NLW) ist die Aufarbeitung von Teilen des Wortbestandes der lateinischen Sprache zwischen 1300 und 1700. Als Neulatein wird hier jenes Stadium der Entwicklung der lateinischen Sprache verstanden, das mit der im Namen der "Renaissance" enthaltenen Rückbesinnung auf das Latein der Antike einsetzt. Damit ist die NLW einerseits zunächst eine Dokumentation des Scheiterns der Bemühungen um die Rückführung der lateinischen Sprache auf 'das' antike Niveau, andererseits ein Nachweis der andauernden Vitalität einer Sprache, in der es schon lange keine 'native speakers' gab. Es handelt sich dabei also nicht nur um einen chronologischen Begriff, sondern auch um einen stilistischen: spezielle Fachterminologien, die sich dem neuen Stilideal entziehen und die Fachsprache des "Mittellatein" weiterverwenden bzw. -entwickeln (dies betrifft u.a. scholastische und philosophische Literatur, ebenso z.B. die musikalische Fachterminologie, die im LML erfaßt wird), bleiben ausgeschlossen. Natürlich gibt es auch Texte aus diesen Fachbereichen, die die sprachlichen Ideale der Humanisten reflektieren (z.B. Ermolao Barbaro's Neufassung des Liber sex principiorum). Einzelne Texte unserer Periode, die (vermutlich) auf Teilbereiche des neulateinischen Vokabulars Einfluß gehabt haben, wie vielleicht der weitverbreitete Malleus maleficarum (1479) von Institoris auf das Vokabular der Magie, werden erfaßt, auch wenn sie selbst von den sprachlichen Idealen der Humanisten nicht oder kaum berührt sind; dies ist eine vorläufige Entscheidung, deren Ergebnisse noch abzuwarten sind. (*) John Monfasani, "Cosa nasconde un nome? Medioevo, Rinascimento, Prima età moderna," Vortrag, Rom, Istituto storico italiano per il medio evo, 11. Juni 2004. Monfasani ging allerdings nicht auf die Sprachentwicklung ein.
(**) Elizabeth L. Eisenstein, The Printing Press as an Agent of Change (Cambridge 1979). Daß sowohl bei der Auswahl der Wörter als der Quelltexte letzlich oft subjektive Kriterien zum Einsatz kommen, braucht nicht weiter betont zu werden. So wird das Lemma componista, das als Fachterminus im LML vorhanden ist, wegen seiner nationalsprachlichen Verbreitung aufgenommen. Die Wortfamilie um barattarius, ein Phänomen u.a. der italienischen Kommunen im ausgehenden Mittelalter, habe ich aufgenommen, weil Salutati barattare verwendet; das Wort ist wohl mittelalterlich (und in vielen romanischen Sprachen zu finden), zeigt aber mit seiner einseitigen Belegung in der Renaissance, wie sehr man mit sprachlichen Randschichten rechnen muß, die sich im humanistischen Latein u.U. nur ganz vereinzelt konkretisieren, und einmal mehr, welchen unermeßlichen Einfluß die Divina Commedia auf das italienische Neulatein hat. Um diese Subjektivität einigermassen auszugleichen, werden die ausgewählten Lemmata in den Lexika des antiken und mittelalterlichen Lateins überprüft, sodaß der Leser wenigstens einen ersten Eindruck von ihrer Originalität gewinnen kann. Zum Namen: Der Name dieses Projekts hat schon einige Abwandlungen erfahren. Ich habe mich jetzt für die Bezeichnung "Neulateinische Wortliste" entschieden; zwar sind im Deutschen sowohl "Wortliste" als auch "Wörterliste" geläufig, allerdings ist in der Lexikographie der deutschen Sprache als einziges Wörter-Kompositum "Wörterbuch" anerkannt, sonst gibt es nur Wort-Komposita. Technische Voraussetzungen Die HTML-Version der Neulateinischen Wortliste wurde mit verschiedenen Versionen von Netscape®, Internet Explorer®, Opera® und Mozilla Firefox® getestet. Für beste Darstellung sollte ein mit dem IE kompatibler Broser verwendet werden. Die Lemmata sind in Unicode mit griechischen Glyphen (Extended Greek) kodiert. Voraussetzungen für eine vollständige Wiedergabe auf Ihrem Computer sind also:
SucheFür einen Großteil der Datenbestände habe ich eine Suchmaschine implementiert. Es gibt drei Eingabefelder; die Lemmasuche durchsucht die Lemmata und deren orthographische Varianten, die Volltextsuche durchsucht die Lemmata und deren Varianten und den Eintrag von der ersten Bedeutungsangabe bis zum Ende der Zitate (jedoch nicht die lexikographischen und darauffolgenden Angaben), die Sigla-Suche durchsucht die Datei mit den Autoren und Werken. Die Suche ist für die folgenden orthographischen Charakteristika des Neulatein optimiert:
Die Geschwindigkeit ist je nach Browser und Internetanbindung unterschiedlich. Um die Suche zu benutzen, muß Javascript aktiviert sein. Abkürzungs- und Literaturverzeichnis können nur mit Hilfe der Suchfunktion des jeweiligen Browsers durchsucht werden. Auswahl der QuelltexteDie Quelltexte für die lateinischen Lemmata werden nach folgenden Gesichtspunkten ausgewählt:
Exzerption der LemmataIn den Empfehlungen von Toronto wurden zwei Arten von Exzerption vorgeschlagen: direkt aus den Quelltexten und indirekt aus der Sekundärliteratur (Hum. Lov., Indices, etc.). In die NLW wurden vorrangig Exzerpte aufgenommen, die direkt aus den Quelltexten stammen, da ja Auswahl und Interpretation der Lemmata die eigentliche lexikographische Arbeit darstellen; wo ich auf Sekundärliteratur zurückgreife, mache ich entsprechende Literaturangaben. Eine exzellente Demonstration der Möglichkeiten der Exzerption aus der Sekundärliteratur ist: R.J. Schoeck with Martina Rütt and H.-W. Bartz, "A Step Towards a Neo-Latin Lexicon: A First Word-List Drawn From Humanistica Lovaniensia", Teil I Humanistica Lovaniensia 39 (1990) 340-365, Teil II Humanistica Lovaniensia 40 (1991) 423-445 (ca. 600 Lemmata). Auswahl der LemmataDas Prinzip der lexikographischen Singularität der Empfehlungen von Toronto wurde nur mit einigen Modifikationen eingehalten. Lemmata wurden nach folgenden Kriterien aufgenommen:
Außer Betracht blieben Lemmata, die ausdrücklich als nicht vorkommend gekennzeichnet werden, etwa in Bebels Comoedia de optimo studio iuvenum oder Vallas De linguae Latinae elegantia (darunter fallen auch Wörter wie surdulus und recalvatulus in eleg 1,7, epistulatiuncula in DECEMBRIO-A pol 3,27,68). Ebenso gehört vieles in Vallas apologi in diese Kategorie (vgl. apol I p.499 Sicut enim non dicimus `librunculus' ita nec `libruncula' dici debet.). Doch was soll mit den Wörtern geschehen, die die ungebildeten Diener im selben Werk gebrauchen? Oder den Passagen, in denen sich Valla über Poggios vorgebliche linguistische Inkompetenz moquiert, indem er dessen Wortschatz nachahmt (anatarius, anserarius, turturarius) ? Die Grenze ist hier nicht immer klar, und so habe ich die unter cussinus zitierten Wörter aus Wimpfelings Isidoneus zugelassen, obwohl als 'nicht lateinisch' bezeichnet, weil sie zum Teil mittellateinische Wurzeln haben. Weggelassen habe ich bis jetzt den Jargon, mit dem der Hausmeister in Vives' Aedes legum den arglosen Besucher beindrucken will (VIVES aed 6-10). Der komische Effekt ist gewaltig (vgl. aed 11: Als der Reisende gegen das unverständliche Kauderwelsch des Hausmeisters protestiert, bekommt er als Antwort: "Quid ? ... Sumne arfatus te supersaeptiose?"), doch glaube ich nicht, daß man den zumeist aus Nonius und Varro entnommenen Wortschatz ('friguttio', 'fuat') als Neulatein bezeichnen kann. In dieselbe Kategorie gehört auch der in einem Pseudo-Altlatein 'kodierte' Brief in Baldes Tillius redivivus S.244f.; hier gibt es neben Wörtern wie indupetit und claricitabo auch Neubildungen wie disferitas, die aber - mit gutem Grund - folgenlos blieben. Grenzfälle sind für mich Lemmata und Formen, die aus einem unfreiwilligen Mangel an Sprachbeherrschung entstehen und sich daher nicht wiederholen; ein Beispiel ist iubuisti für iussisti in LANGER Celtis epist 38 ubi me ex quodam doctore ... salvere iubuisti. Für eine vollständige Dokumentation des Neulatein wären sie sicher von Interesse. Die Kategorie von Lemmata, die zwar antik häufig vorkommen, im Neulatein aber selten, kann in Ermangelung von Vorarbeiten nur zufällig erfaßt werden (z.B. odio, -ire, palmosus). Eigennamen erscheinen in der Regel nicht in der NLW. Davon ausgenommen sind Herkunfts- und Sprachbezeichnungen (z. B. graecitare, Latinus). Aufgenommen werden auch Namen, die von mehr als prosopographischem Interesse sind. So habe ich Maomethes sowohl wegen der kulturhistorischen Bedeutung des Religionsgründers als auch wegen der zahlreichen, als Appellativa aufzufassenden Ableitungen aufgenommen. Die gesamte Bandbreite der möglichen Ableitungen habe ich für die norditalienischen Gonzaga demonstriert. Das Lemma Plantagenista kann solches zwar nicht für sich in Anspruch nehmen, schien mir aber als einzige bis jetzt in der NLW vorhandene Bildung auf -ista, die nicht 'Anhänger, Nachahmer von ...' bezeichnet (siehe den Index inversus), reizvoll. Vtopus schließlich erscheint als fiktive Wurzel eine Reihe von Lemmata (Vtopia, Vtopianus, Vtopiensis). Metrische Fragen bleiben in der Regel unberücksichtigt; nur in Einzelfällen weise ich auf besondere Phänomene oder Schwankungen hin (z.B. unter tulipa). Ein Problem sind die Druckfehler in den Ausgaben (bzw. Transkriptions- und Scanfehler in den elektronischen Texten), die häufig zu Neologismen führen. Sicherheit wäre hier nur durch umfangreichere Studien zu erreichen, die im Regelfall außerhalb meiner Möglichkeiten liegen. Wo mir die Druckfehler unbezweifelbar schienen, habe ich die entsprechenden Lemmata ignoriert, in anderen Fällen Kautelen beigefügt (vgl. caelius, fatatus). affabrefacio: Bei PONTANO Actius p.182 Videtur res sane riudicula, rara tamen et affabrefacta ist wohl eher mit Worttrennung affabre facta zu lesen; dies ist eine ganz unauffällige Fügung, vgl. BEMBO Aetna sig. A7v graeca numismata ... affabre facta, CORRER sat 4,81 Argentum affabre fusum. au: Das schöne Au! in VAH! Au! icorum vita, mira TESTVDO, in Baldes De vanitate mundi, 67, Balde, Poemata, 1660, T.4, 126, transcr. CAMENA baldepoemata4_1.html, ist mit dem folgenden licorum zu aulicorum zu verbinden. Catharinaliter - Catharinialiter: Der Druckfehler Catharinialiter fr -naliter konnte vom Leser des Drucks von 1562 nicht ohne weiteres als solcher identifiziert werden; ich habe daher beide Formen aufgenommen. comediarius, tragediarius: Die Adjektiva comediarius und tragediarius in Brunis Cicero novus, die sich in Vitis Ausgabe finden (BRVNI Cic p.426 donec per Roscium comediarium et Esopum tragediarium actores .... vocem ac gestum corporis emendavit), bleiben unberücksichtigt, solange ich keine Parallele dafür finden kann, zumal Campano, Rom 1470, fol.405r comediarum ... tragediarum hat. comminitatio für comminatio: In GVARINO ep 670 p.334 G. = p.232 S. iuvenem primum quidem pollicitationibus ac blandimentis, deinde commin[it]ationibus atque terrore ad se conatus allicere ist statt Garins comminitationibus mit Sabbadini comminationibus zu lesen, da Garin nur Sabbadinis Text wiedergeben will (vgl. Garin, Prosatori, S.1130). corruptula für corruptela: HOTMAN-F ep p. 174 (1583) Urbes cursim lustrare ... quam diuturna morum illius regionis contagione in corruptulae periculum incurrere. HVNNIVS-Ae Calv iud p.165 Iudaicae corruptulae fuliginem. destruo für destituo: ANON vitae pontif p.252 cum ferme omnes ab eo ad Henricum destruisset, ist destruisset wohl ein einfacher Kopierfehler für destituisse<n>t (nota auch -isset für -issent). Dies macht allerdings auch amplidus für amplus im selben Text, S.251, nicht besonders vertrauenswürdig. factalis, -e: BORBON nugae 1540 carm ad Gryph p.2 Ergo tuo ex praelo factalis prodeat iste | ... liber ist fac talis zu lesen. Derselbe Fehler taucht einige Male in elektronischen Dantenbanken auf. habundas, Adj.: AMERBACH-J ep 130 Non sum tam habundas, vt vobis proprium valeam tenere paedagogum. Hier wird man eher einen Schreibfehler Amerbachs o. einen Druckfehler der Edition statt einer genuinen Nebenform von abundans annehmen. illiminatus: MACCOVIVS dist p.161 A propositione illimitatâ, ad limitatam non valet consequentia. Maior enim illiminata est ... ist entsprechend dem Kontext illimitata zu lesen. inpernicies: CONVERSINI dil l.1356 ist in perniciem zu lesen. pago, -are: CELTIS epist 6 (S.12 Z.37 Rupprich), quod multa perversa a principibus pagantur, ist wohl peragantur zu lesen. perfligo, -ere: CASSANDER op p.1256 non aliam esse regionem, quae et graviora bella susceperit, et constantius, et fortius administraverit, et felicius, et gloriosius perfligarit, ist profligarit zu lesen. psalmo, -are: Das Wort taucht im Druck von Heinrich Bebels Opuscula nova (Straßburg 1512) auf: deus o sanctissime percipe divum | Cantica, ...| Tu me psalmasti, me participemque polorum | Fecisti regnis (BEBEL opusc nov sig.Cc4r). Das ist wohl ein Buchstabendreher für plasmasti. Zwar verzeichnet LATHAM (s.v. plasma) psalmo für plasmo für das zwölfte Jahrhundert; doch konnte ich (noch) keinen Beleg dafür finden; DU CANGE hält psalm- für plasm- für falsch überliefert (s.v. plasmare). Die Stellen in elektronischen Datenbanken und alten Ausgaben, die in Zitaten von Psalm 118,73 psalmauerunt statt plasmauerunt haben, halten einer Überprüfung nicht stand; z.B. Bonaventura, De scientia Christi, quaest. 4 p.18 l.49 (CLCLT-5: psalmauerunt). quatuor: Für quatuor in der Bedeutung von quater bei Anders C. Arrebo, ep 1 p.204 würde man sich gerne der Textgrundlage vergewissern; das Latein dieser Briefe ist allerdings auch sonst wenig elegant. scelarissimus: Zu übergehen ist scelarissimis für sceleratissimis in Lapo da Castiglionchios Dialogus de curiae commodis, Pros. lat. del 400, S.204. seminatim: Auf das Vorkommen dieses Wortes in TRANSYLVANVS molucc hat mich E. Wimmer, Salzburg, aufmerksam gemacht, deren kritische Ausgabe des Textes ich allerdings nicht einsehen konnte. Ein Vergleich der drei mir zugänglichen Drucke läßt eher an einen Druckfehler denken. Zwar hat der Druck des Cervicornus in Köln im Januar 1523 Aliud seminatim, aliud sponte prouenit. Sed quod seminatur nobilius est (sig.B6v). Doch der Druck von Minitius Calvus in Rom im November desselben Jahrs, der auf einer unabhängigen Textgrundlage beruht, hat Aliud seminatum, aliud sponte ... (sig.Eiir), einige Monate später, im Februar 1524, druckt derselbe Verleger Aliud seminat(ur), aliud sponte prouenit. Sed quod seminat(ur) ... (sig.D5r). Dies mag wohl die glaubwürdigste Variante sein. (Einige Informationen zur Textüberlieferung verdanke ich: G. Tournoy, "Il primo viaggio intorno al mondo di Magellano nella relazione di Massimiliano Transilvano", Camœnæ Hungaricæ 2 (2005) 79-92: 85). susurror, -oris: Druck- oder Transkriptionsfehler für susurrones bei CAPRANICA-N fun Bess 12 p.411 M. Nec minus abhorrebat delatores, susurrores, rumigerulos. tonitura, -ae: Die Form tonitura findet sich nicht selten in digitalen Texten, einige Male auch in gedruckten Ausgaben. Meist ist im Kontext eindeutig Neutrum Plural zu erwarten und daher tonitrua zu lesen. Doch gibt es auch Fälle, in denen theoretisch ein Ablativ Singular möglich wäre (Beispiele s.v.) valedoctorius: In der valedoctoria von VD17: 125:041616K möchte ich eine valedictoria vermuten. vaticolus: RONTO Dante praef 13. Die Transkription Franceschinis ist falsch, wie ein Blick in die beigefügte Abbildung der Hs. zeigt; zu lesen ist vaticulum. Lexikographische Relevanz der LemmataVerwendete Lexika (Abkürzungen hier)Grundsätzlich können aus den unter 'Vorkommen' stehenden Angaben keine Umkehrschlüsse gezogen werden, d. h. wenn keine Angaben zur Belegung in anderen Lexika vorhanden sind, so bedeutet dies nur, daß ich diese (noch) nicht kontrolliert habe. Als Maßstab für die lexikographische Bedeutsamkeit sind die entsprechenden Wortartikel des Thesaurus linguae Latinae grundlegend. Dort, wo der TLL noch nicht vorliegt, wurden zunächst Georges und Lewis & Short herangezogen, in Fällen, wo es sich um ganz seltene, aber frühe Belegungen handelt, auch OLD (e.g. screatus nur einmal belegt, bei Terenz); hin und wieder wurde auch Forcellini angeführt. Seit dem Beginn der Arbeiten an der NLW haben sich die Zugriffsmöglichkeiten auf die Lexika des klassischen Latein und Griechisch stark verbessert; sowohl für TLL als auch Georges, Lewis & Short und LSJ gibt es elektronische Versionen, die eine rasche und in den meisten Fällen ausreichende Kontrolle ermöglichen. Aus praktischen Gründen wird die mittelalterliche Belegung des Materials meist nur in LATHAM und NIERMEYER überprüft. Auf Grund des unübersichtlichen Druckbildes im DuCange war mir aus Zeitmangel eine Korrelation des NLW-Materials mit DUC bis jetzt in der Regel nicht möglich; dies, ebenso wie die eventuelle Korrelation mit anderen mittellateinischen Lexika, wäre noch zu leisten. In einigen Fällen kontrolliere ich die mittelalterliche Belegung mit CLCLT und PLD (dies kann naturgemäß nur den Wortgebrauch der dort vorhandenen Autoren und - im Falle der PLD - die Qualität der verwendeten Editionen widerspiegeln). Der Einfluß des Mittellateins auf die Sprache der Humanisten kann - abhängig von Zeit und Genus - variieren, ist aber wesentlich höher anzusetzen, als das dem Selbstverständnis der Humanisten entspräche (vgl. littera). Für das englische Latein hat diese Kontinuität umfassend LATHAM nachgewiesen, dessen word-list Material bis nach 1700 umfaßt. Frühere Belegung: Für die Lexica, auf die ich ohne Zitat verweise, verwende ich in der Rubrik Lexicographica ein vierstufiges Modell: Die Angabe TLL bedeutet, daß das Lemma in der in der NLW angeführten Bedeutung im TLL vorhanden ist, TLL* bedeutet, daß das Lemma vorhanden ist und ich die Übereinstimmung der Bedeutungen nicht kontrolliert habe (die größte Gruppe). Dies kann auch bedeuten, daß im TLL keine Bedeutung angegeben ist (z.B. adblandior, aggestio). Die Angabe TLL 0 zeigt an, daß das Lemma (gleich in welcher Bedeutung) im TLL nicht vorkommt. In solchen Fällen gebe ich manchmal verwandte Lemmata an, bei adjektivisch gebrauchten Verbalformen das Verbum o. ä (ein Beispiel unter celebrandus). Wenn eine einzelne antike Stelle in der Renaissance eine besondere fortuna hat, wird auf diese Stelle entweder hier (vgl. condecentia, incuriosus) oder direkt bei der Bedeutungsangabe hingewiesen (z.B. unter canalis I2b). GEORGES temporalis 0 bedeutet, daß zwar das Lemma selbst, nicht aber die in der NLW dargestellte(n) Bedeutung(en) im Georges vorhanden ist (sind); analog dazu bedeutet beim Lemma 'Aeschuleus' die Angabe TLL Aeschylus 0 (Aeschyleus), daß das Sublemma Aeschuleus dort nicht vorhanden ist; das in Klammer stehende Aeschyleus zeigt an, daß diese (orthographisch verwandte) Form dort belegt ist. TLL 0, pendo 0 bei caripendo bedeutet, daß weder das Kompositum noch die Junktur cari pendere unter pendo belegt sind. TLL morticinum unter morticinium bedeutet, daß im TLL die Form 'morticinium' unter dem Lemma 'morticinum' aufscheint. Wenn zu einer Bedeutung '0' vermerkt ist, z.B. (zu 2) GEORGES 0, so gilt natürlich ex silentio, daß das Lemma selbst im entsprechenden Wörterbuch vorhanden ist. Daß ein Wort im klassischen Latein fehlt, wird auch dann angegeben, wenn das Wort aus naheliegenden Gründen noch nicht existieren konnte (z.B. Guidonista, Lutheromastix). Eigennamen: Da diese im TLL ab E fehlen, gebe ich die Belegung hier nach GEORGES (z.B. Fatuellus). Zum Thesaurus formarum (TF): Wenn unter Lexicographica der TF genannt wird, so bezieht sich dies natürlich nur auf das Lemma bzw. dessen flektierte Formen, nicht auf die Bedeutung (die im TF nicht angegeben wird). Die Grundsprache der NLWUrsprünglich wollte ich als Grundsprache der NLW Latein verwenden, zumal ich mit der notwendigen Terminologie in lateinischer Sprache besonders vertraut bin. Dies hat sich jedoch nicht als generell praktikabel herausgestellt. Der Nutzen ist oft gering, weil die Bedeutungsangaben zum Tautologischen tendieren. Ich habe mich also für das Deutsche entschieden, und übersetze in mir notwendig erscheinenden Fällen auch längere Passagen (z. B. hierographia). In einzelnen Fällen verwende ich auch frühere Übersetzungen (diese werden entw. beim Lemma oder in der Sigelliste angegeben). Daneben verwende ich weiter das Lateinische sowohl für Bedeutungsangaben als auch sonst, wo ich glaube, daß es zum Verständnis dient. Ältere Wortartikel werden nach und nach revidiert. Ein Großteil der Wörterbuchartikel ist während der sog. 'Rechtschreibreform' des Deutschen entstanden, deren in Aussicht genommene Regeln in ihren Extremen zu ästhetische geringwertigen und logisch wenig befriedigenden Schreibweisen veranlassen wollen. Damit der deutschen Komponente der NLW eine gewisse Konsistenz erhalten bleibt, richte ich mich im Zweifel nach Theodor Ickler, Das Rechtschreibwörterbuch, 3. Auflage (St. Goar 2001). Die Teile des Wortartikels
Typographie und InterpretationshilfenAls kursiver Text werden alle Textelemente ausgezeichnet, die vom Bearbeiter stammen, also nicht aus dem Originaltext entnommen sind (ich bin dabei ungefähr dem Gebrauch des TLL gefolgt). Auch Werktitel werden kursiv angegeben; dies sichert in den Fällen, in denen auf den Titel keine weitere Stellenangabe folgt, den Unterschied zwischen Werktitel und Zitattext. Innerhalb des Zitattexts wird die Auslassung von nicht relevanten Textteilen ungeachtet ihres Umfangs mit ... gekennzeichnet. Bei Versen wird die Position des Lemmas im Vers durch die Angabe des Versanfangs bzw. -endes mit | bestimmt. Vom Lemmawort habe ich ursprünglich nur die Endung angegeben; dies kann allerdings zu Unsicherheiten über den von mir tatsächlich benutzten Text führen. Ich schreibe nunmehr auch das Lemma aus; ältere Wortartikel werden nach und nach revidiert. Im Zitat wird die Orthographie der jeweils benutzten Vorlage beibehalten; die sich daraus ergebende Uneinheitlichkeit und Originalnähe schien einer klassizistischen Vereinheitlichung und Vereinfachung vorzuziehen. Die Interpunktion wird oft geändert, um die Verständlichkeit des Zitats zu sichern. Des öfteren waren an einer Stelle mehrere lexikographische Notabilia vorhanden; dann wurde der Text an einer Stelle länger ausgeschrieben, unter den anderen Lemmata dorthin verwiesen (e. g. dissitus, summanus). Index inversusDer unvermeidliche Nachteil der alphabetischen Anordnung der Lemmata ist, daß die sich über Suffixe artikulierenden Präferenzen in Wortbildung und Wortwahl nicht dargestellt werden. Für das Latein der Antike gibt es Otto Gradenwitz, Laterculi vocum latinarum, Leipzig 1904 und Roberto Busa, Totius latinitatis lemmata, Milano 1988. Analog dazu, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang, erlaubt der 'Index inversus der Lemmaformen' die rasche Orientierung über die im Latein des Humanismus populäre Wortformen (-archa, -logia, -mastix, -culum, -culus etc.). Der mit den Nachbarlemmata übereinstimmende Teil des Wortendes wird farbig kodiert. Diese Kodierung wird teilweise automatisch hergestellt, daher sind die Markierungen sprachwissenschaftlich nicht immer sinnvoll. LemmagruppenUsprünglich wollte ich über die Rubrik "Synonyma" auf semantisch verwandte Worte in der NLW aufmerksam machen. Dies wird jedoch rasch unübersichtlich und repetitiv, wenn die Zahl der "Synonyme" zu hoch wird. Ich versuche daher nun, neben der Lemmaliste und dem Index inversus eine dritte Ansicht der NLW über "Lemmagruppen" zu erarbeiten. Sie sollen semantische Bereiche illustrieren, die im Humanismus besondere Bedeutung haben; so zeigt ein Blick auf die unter 'Magie' gesammelten Lemmata, wie unglaublich groß das Interesse in der Periode (auch jenseits der 'Fachliteratur') an magischen Ritualen war. Im Gegensatz zu den anderen Ansichten werden die "Lemmagruppen" niemals alle Lemmata erfassen, sondern nur solche, die sich sinnvollerweise zusammenfassen lassen und nicht im Alphabet aufeinander folgen. Zunächst habe ich aus dem bereits vorhandenen Material einige Sachgruppen ("Magie", Buchdruck", u.a.m.) isoliert, weitere sollen gezielt aufgebaut werden. SigellisteSie enhält in alphabetischer Reihenfolge nach den Sigeln der Autoren alle benützten Werke. Die Autoren- und Werksigeln habe ich ursprünglich in etwa nach dem Vorbild der Beuroner Sigelliste für die Vetus Latina gebildet. Dies hat sich jedoch nicht bewährt, da viele Sigeln nicht aussagekräftig sind und die Platzersparnis bei einer elektronisch gespeicherten Datenbank nicht im Vordergrund zu stehen braucht. Ich gehe jetzt nach und nach dazu über, bei kürzeren Eigennamen auf Abkürzungen zu verzichten, bei längeren möglichst klare Abkürzungen zu bilden; auch ältere Abkürzungen werden geändert (z.B. bei Sebastian Brant 'BRA' zu 'BRANT'). Gleichnamige Humanisten bezeichne ich regelmäßig mit 'mai(or)' und 'min(or)' (z.B. die beiden BARBARO-H; auch solche, die in der Literatur mit 'senior' und 'iunior' bezeichnet werden); dies hat den Vorteil, daß in der Sigelliste chronologische und alphabetische Reihenfolge übereinstimmen. Anders als Hoven gebe ich grundsätzlich (also auch für sonst völlig unbekannte Schriftsteller) den Verfassernamen an - nicht zuletzt deshalb, weil ich dann die literaturgeschichtliche Relevanz von (mir unbekannten) Autoren nicht zu beurteilen brauche (Ausnahmen: ACADEMIA Gust, ARCH). Wo möglich wird ein Anhaltspunkt für die Chronologie beigegeben (Lebenszeit, Entstehungsdatum, Abfassungszeit, o. ä). Die Zitate im Artikel folgen nach Möglichkeit der Chronologie; jedoch werden Beispiele aus demselben Autor normalerweise zusammengehalten. Firefox 2-Benützer, Achtung!: Jedesmal wenn man auf einen Autornamen in der rechten Spalte klickt, sollte das Popup-Fenster mit den Informationen in den Vordergrund kommen. Dieses Verhalten muß bei Firefox 2 explizit erlaubt werden, indem man in "about:config" den Eintrag "dom. disable_window_flip" auf "false" setzt (Tip von oxodesign in www.sitepoint.com/forums/showthread.php?t=486443). Für Opera 9 habe ich noch keine Lösung gefunden. Abkürzungsverzeichnis und LiteraturverzeichnisSie enthalten alle in der NLW verwendeten Abkürzungen (soweit sie nicht in der Sigelliste erklärt werden), bzw. die in der NLW zitierte Literatur (mit Abkürzungen). Zuletzt verändert am 28.10.2009. |